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Filmtransfer

Vom 29.11.2012 bis zum 02.12.2012 wurde die Arbeit »Grafische Film­transkription« in der Ausstellung »Film­transfer« gezeigt. Worum es in der Ausstellung im Hinterconti ging, beschreibt dieser schöne Text von Anabela Angelovska:

»Will ich mir ein Glas Zuckerwasser bereiten, muss ich das Schmelzen des Zuckers abwarten.« (Henri Bergson, »L’évolution créatrice«)
Will ich mir einen Film im Ganzen ansehen, muss ich die Dauer seiner vorüberziehenden Bilder abwarten. Was aber wenn die Filmlänge komprimiert oder die wichtigsten Parameter eines Films in einem einzigen Bild sichtbar sind?

Stefan Mildenberger und Christoph Lohse unterziehen Kinofilme einem systematischen Prozess, in welchem sie das Hauptmerkmal des Kinos – die Synthese von Raum und Zeit – bearbeiten.
Christoph Lohses »Grafischen Filmtranskriptionen« – umgesetzt als Plakat und Buch – übertragen die Filmminuten in Zentimeter und die Filminformationen in grafische Elemente und Text. Mittels dieser grafischen Filmanalyse wird der Film abstrakt rekonstruiert. Alles ist zum gleichen Zeitpunkt sichtbar. Einer Landkarte gleich, ist dieses Darstellungssystem mit Hilfe einer Legende erlern-und lesbar. Die filmische Struktur tritt dabei in den Vordergrund und ermöglicht eine Vergleichbarkeit unterschiedlicher Erzählweisen.
Während Christoph Lohse den Film in seine Einzelheiten zerlegt und auf seine ursprüngliche unbewegte Einheit zurückführt, komprimiert Stefan Mildenberger in seinen »Scantrified Movies« die Zeit auf andere Weise. Die Video-Projektion »Mildenberger‘s Scantrified Movie: Titanic« zeigt beispielsweise die Ergebnisse, die beim sequenziellen Einscannen des Spielfilms »Titanic«, (1997, Regie: James Cameron), entstehen. Hierbei wird die filmische Zeit der Dauer eines Scanvorgangs untergeordnet und anschließend der Filmapparatur wieder zugeführt.

Diese teils aggressiven Bearbeitungen machen Mechanismen sichtbar, die den Betrachter bei der herkömmlichen Filmrezeption unbewusst durchlaufen. Beide Arbeitsweisen schaffen auf diese Weise Distanz und ermöglichen neue Perspektiven auf stereo-type Erzählmuster. Sehen wir uns die Bilder und Zeichen einmal genauer an.